Wenn Sie eine Autobatterie (KFZ-Batterie) tauschen wollen, dann brauchen Sie vor allem eines und das ist ein gewisser Respekt vor diesem Teil. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass auch eine alte Batterie sogar teilweise entleert immer noch ein kleines Kraftwerk ist. Sie können die verfügbare Leistung einer solchen KFZ-Batterie grob überschlagen, in dem Sie einfach die angegebene Amperestundenzahl mit der Spannung multiplizieren. Dann haben Sie die Leistung in Wattstunden. Also 12 Volt mal 45 Amperestunden sind ca. 0,5 kWh. Bei einer “leeren Batterie” können Sie ca. 10 Ah annehmen und kommen immer noch auf eine Energie von 120 Wh.
Ein einfacher Lötkolben mit 20 Watt Leistungsaufnahme erreicht nach ca. 15 Minuten eine Temperatur von etwa 300 Grad. Das entspricht einer Energie von 5 Wattstunden. Um also einen Schraubenschlüssel beispielsweise – dieser hat eine ähnliche Masse wie der Lötkolben – auf 300 Grad zu erhitzen reicht eine Energie von 5 Wattstunden völlig aus. Diese setzt die Batterie aber bei einem Kurzschluss in Sekunden um, bei einem Strom von 300 Ampere – und das ist bei einem Kurzschluss durchaus möglich, sind das etwa 1 Sekunde. Fließen nur 100 Ampere, so dauert es etwa 3 Sekunden.
Also: Die 12 Volt einer Autobatterie sind für den Menschen absolut ungefährlich. Gefährlich ist allerdings ein metallischer Kurzschluss bei dem hohe Ströme fließen und relativ große Leistungen in kurzer Zeit umgesetzt werden. Bei einem Kurzschluss kann ein Schraubenschlüssel – den Sie vielleicht noch mit aller Gewalt festhalten – in Sekunden auf mehrere hundert Grad erhitzt werden.
Eine andere Gefahrenquelle bei einem Kurzschluss ist eine mit zu wenig Wasser befüllte Zelle. Eine 12-Volt-Batterie besteht aus 6 Zellen, die jede für sich ca. 2 Volt zur Gesamtspannung beiträgt und die “in Serie” geschaltet sind. Bei älteren Batterien kann es vorkommen, dass eine einzelne Zelle nur zu 10% oder weniger befüllt ist und die anderen Zellen vollständig. Bei einem Kurzschluss wird die Flüssigkeit in dieser Zelle deutlich mehr erwärmt als in den Nachbarzellen. Wenn es in der Zelle dann zum Überkochen kommt, dann steigt der Druck darin schlagartig an. Dabei kann die Batterie an beliebiger Stelle – nicht nur am Schraubdeckel – aufreißen und durch den Riss den Zelleninhalt versprühen. Je nach Lage des Risses ist es heißes Gas oder heiße Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit in der Zelle ist übrigens verdünnte Schwefelsäure.
Aus den Überlegungen heraus kann man folgende Sicherheitsregeln ableiten:
Und eine Bitte: Verstehen Sie diese Auflistung nicht falsch: Sie sollen nun nicht zitternd an die Arbeit gehen. Aber zu jedem guten Medikament gehört ein Beipackzettel und die Aufforderung, sich der Gefahr bewusst zu werden und diese durch sachgerechtes Werkzeug zu vermeiden. Das hier ist der Beipackzettel.
Als ersten Schritt müssen Sie zweifelsfrei klären, welcher Kontakt der Pluspol ist und welcher der Minuspol. Normalerweise ist der Minuspol mit einer Fahrzeugmasse verbunden.
Früher – also vor ca. 30 Jahren – hatte ich mal verschiedene Autoradios repariert und bei denen waren die Klemmen für die Betriebsspannung umschaltbar. Man konnte diese Radios betreiben mit Minus an Masse und mit Plus an Masse. Innerhalb von Europa dürfte sich der Minuskontakt an Masse durchgesetzt haben. Ob das weltweit und bei allen Marken der Fall ist, das kann ich nicht sagen.
Sie müssen nur sicherstellen, dass Sie erst mal wissen, wo der Plus-Kontakt und wo Minus-Kontakt ist und nach dem Batteriewechsel muss die Kontaktbelegung die gleiche sein. Falls Ihnen das nicht gelingt, brauchen Sie ein neues Auto, zumindest dürfte der Großteil der Motorelektronik sich dann verabschieden.
Wenn Sie unsicher sind, dann investieren Sie ein paar Euros für ein Messgerät, dass Ihnen Spannung und Polarität anzeigt.
Nun stehen Sie vor der Batterie und schauen auf die beiden Kontakte. Welchen lösen Sie zuerst, den Pluskontakt oder den Minuskontakt?
Es ist wichtig, dass Sie durch überlegen auf die Antwort kommen, denn wenn Sie vor dem Auto stehen, werden Sie kaum einen Labtopp dabei haben, um das alles nachlesen zu können. Vor allem dreht sich die komplette Begründung um, wenn Sie ein Fahrzeug haben, bei dem der Pluspol an der Masse liegt. Es gibt immerhin Autoradios, die darauf hinweisen, dass es so etwas gibt bzw. gab.
Und nun stellen Sie sich vor, sie montieren an einem Kontakt und berühren mit dem Werkzeug die Masseteile des Fahrzeugs. Welcher Kontakt ist dabei gefährlich und welcher ungefährlich?
Wenn Sie am Pluspol schrauben und mit dem Werkzeug Fahrzeugteile berühren – diese sind mit dem Minuspol verbunden – dann erzeugen Sie einen Kurzschluss. Schrauben Sie am Minuspol und berühren Sie teile des Fahrzeuges, dann erzeugen Sie keinen Kurzschluss. Sie können also den Minuspol problemlos demontieren, weil dieser mit der Masse verbunden ist. Wäre der Pluspol mit der Masse verbunden, könnten Sie diesen ohne Probleme lösen.
Bleiben wir beim Normalfall. Wenn Sie den Minuspol gelöst haben, dann können Sie auch den Pluspol lösen und auch hier bei der Montage mit dem Schraubenschlüssel gleichzeitig den Pluskontakt und die Fahrzeugmasse berühren. Der Strom kann nicht mehr zum Minuspol der Batterie fließen, da dieser abgeklemmt ist.
Fazit: Schrauben Sie zuerst den Kontakt ab, der mit der Fahrzeugmasse verbunden ist und dann erst den anderen. Im Normalfall ist die Reihenfolge erst der Kontakt zum Minuspol der Batterie und dann der Kontakt zum Pluspol.
Bei der Demontage des Minuskontakts kann es auch zur leichten Funkenbildung kommen. Das hängt damit zusammen, dass einige Verbraucher im Grunde permanent eingeschaltet sind. Erkennbar ist das zum Beispiel bei Autoradios, die nach einem Batteriewechsel wieder den Sicherheitscode anfragen. Aber auch andere Steuereinheiten – in jedem Fall eine eventuell vorhandene Alarmanlage – sind permanent angeschlossen und in Betrieb. Und selbst wenn hier nur wenige Milliampere fließen, so kann durchaus ein Funke sichtbar werden.
Nun können Sie die Batterien tauschen. Und hier sollten Sie darauf achten, dass die Polung erhalten bleibt.
Weiterhin sind die Batteriekontakte aus Blei und Blei ist ein weiches Metall, dass langsam mit dem Luftsauerstoff reagiert und eine Oxydoberfläche bildet. Diese Oxydoberfläche ist ein schlechterer Leiter als das Blei. Daher empfiehlt sich kurz vor dem Einbau der neuen Batterie ein “Reinigen” der Batteriekontakte. Das “Reinigen” ist eben nur das Entfernen dieser Oxydoberfläche. Hierzu habe ich früher einfaches Schmirgelpapier genommen. Dabei muss man nur die Fläche reinigen, die später von den Klemmen im Fahrzeug auch kontaktiert wird. Das ursprüngliche Bleioxyd ist mattfarben und wenn man diese Fläche abschmirgelt, dann bleibt eine hochglänzenden Bleioberfläche. Es dauert je nach klimatischen Bedingungen Tage oder Wochen, bis diese wieder oxidiert. Sie können also ruhig und ohne Hektik arbeiten.
Die elektrischen Kontakte am Auto können, müssen aber nicht aus Blei sein. Sind sie aus Blei, dann ist natürlich auch eine Reinigung der Kontaktbereiche der Klemme geboten. Sind diese nicht aus Blei, dann muss man selbst eine Antwort finden. Irgend ein Schmierfett, oder irgend ein Dreck jedenfalls gehört nicht auf den Kontakt, jedenfalls nicht vor der Montage. Je besser die Leitfähigkeit des Kontakts, desto besser wird später der Strom geleitet und desto länger hält die Batterie. Das hört sich seltsam an, aber ein schlechter Kontakt “gehört” zur Batterie und wird vom Bordnetz der Qualität der Batterie zugerechnet. Ein Messgerät im Armaturenbrett kann nur die Spannung bewerten, die am Messfühler ankommt. Und der Messfühler hängt hinter dem Kontakt. Also: Der bessere Kontakt erhöht die Lebensdauer der Batterie.
Bei der Kontaktmontage müssen Sie wieder überlegen, welchen Kontakt zu zuerst montieren. Würden Sie den Minuspol zuerst anschrauben, dann müssten Sie bei der Montage des Pluspols extrem vorsichtig sein und einen Kurzschluss vermeiden. Also machen Sie es umgekehrt.
Fazit: Montieren Sie erst den Batteriekontakt, der nicht mit der Fahrzeugmasse verbunden ist und dann den mit der Fahrzeugmasse verbundenen. Im allgemeinen montieren Sie also zuerst die KFZ-Klemme zum Pluspol und dann die KFZ-Klemme zum Minuspol
Auch bei der Montage müssen Sie beim zweiten Kontakt mit kleineren Funken rechnen, die aber ungefährlich sind. Spielen Sie nicht mit den Funken und versuchen Sie nicht rauszufinden, ob der Funke bei Vollmond größer ist oder bei Neumond. Das Einzige was Sie bei An-Aus-An-Aus usw. erreichen, das ist, dass eine schlecht gegen Störimpulse abgesicherte Komponente zerstört wird. Also: Kontakt herstellen und dran lassen.
Blei ist weich und ein elektrischer Kontakt ist ausreichend für die spätere Funktion. Bei der Montage der elektrischen Kontakte sollten sie diese festziehen und zwar ohne die Klemmen oder die Schrauben zu zerstören. Das bedeutet: Die Kontakte dürfen nachher nicht von Hand bewegbar sein und sollten auch einem permanenten Rütteln der Batterie standhalten. Aber es geht nicht darum, einen Wettbewerb zu gewinnen, wer es schafft Schrauben bis zur Unlösbarkeit und späteren Unbrauchbarkeit festzuziehen. Im Gegenteil, wenn Sie in einigen Jahren diese Arbeit noch einmal machen müssen, dann sollte das Lösen der Schrauben auch wieder problemlos möglich sein.
Deshalb: Irgendwelche Hebel nutzt man beim Lösen von Schrauben, nicht aber beim Festziehen. Beim Anziehen dreht man nur die Schrauben fest, aber eben nur mit dem einfachen Werkzeug.
Weiterhin müssen Sie natürlich die Batterie selbst auch mechanisch aus einer Verankerung lösen und die neue Batterie in der gleichen Verankerung wieder befestigen. Auch hier gilt: Selbst wenn Sie für die Demontage irgendwelche Kraftverstärker brauchten. Die Montage sollte mit korrektem Werkzeug erfolgen und die Schrauben “handfest” gezogen werden.
Wenn Sie bei der Demontage die Schrauben zerstören müssen, dann haben Sie die Montage selbstverständlich mit neuen Schrauben durchzuführen.
Übrigens: Wenn ich einen gebrauchten Wagen kaufe, schaue ich mir solche Schrauben an. Sind die “bearbeitet”, dann waren Pfuscher am Wagen.
Prüfen Sie, ob die Batterie richtig sitzt und wirklich fest ist. Wenn diese beim Bremsen im Motorraum umherfliegt, dann werden Sie Ihr beim Selbsttausch Erspartes vervielfacht in einer Werkstatt oder sogar für einen Neuwagenkauf wieder ausgeben dürfen.
Aber denken Sie auch hier daran. Fest bedeutet “Fest” und nicht “Schrauben sind kurz vor dem Abreißen”. Wenn Sie den Unterschied nicht kennen, dann lernen Sie diesen woanders kennen, zum Beispiel bei einem Reifenwechselkurs des ADAC oder ähnlich.
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— Wolfgang Uhr · Samstag Januar 19, 2008
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— maddin83 · Dez 13, 10:36 · #
Gut und schön die Beschreibung! also wenn man alles liest dann weiß man auch erst wirklich wie es geht!! das ganze hätte man in drei zeilen verfassen können!!!
Dieses ewige lange um den heißen Brei herumreden ist doch scheiße!
— Pete · Jan 6, 22:11 · #
1. Der Mensch der das geschrieben hat ist n cooler Typ, he he… Sehr informativ und humorvoll!
— kristof · Jan 8, 14:54 · #
also ich hab gelacht und bin jetzt um einiges schlauer. dankeschön :)
— Robivan · Feb 22, 16:32 · #
Ebenso pointiert geschrieben wie nützlich! Hat mir sehr geholfen, vielen Dank!
— noch ein Maddin · Mär 5, 21:43 · #
Vielen Dank für den super Text. Regt zum Denken an und man behält die Infos besser in der Birne.
— Guido · Jun 17, 12:25 · #
Ich fand die Ausführlichkeit gut, es gibt auch noch jenseits der SMS-Sprache Menschen, denen Gründlichkeit und Verständlichkeit wichtig ist.
— Heiko · Okt 23, 10:55 · #
Die Beschreibung ist zwar etwas ausführlich, aber das wesentliche bleibt besser hängen, da es humorvoll und bildlich beschrieben ist.
Gut gemacht!
— Chris · Dez 21, 19:17 · #
Coole Anleitung. Konnte es mir bisher nie merken was zuerst ab muss und wie´s wieder dran kommt (Pole). Super Teilchen! Heißen Dank!