CDS-Wertpapiere (Credit Default Swap) - ein Weg in die Katastrophe ...

Was ist ein CDS oder ein “Credit Default Swap”?

Mir war der Begriff nicht klar aber dank eines Links bei Xing habe ich nicht nur den Begriff selbst wieder in Erfahrung gebracht, sondern eben auch einige interessante Zusatzinformationen dazu.

Die deutsche Übersetzung für CDS ist “Kredit-Rückversicherung”. Das funktioniert so: Sie kaufen ein Haus und brauchen einen Kredit von € 100.000,-. Die Bank schaut sie mehr oder weniger mißtrauisch an und gewährt diesen, schließt aber mit einer Versicherungsgesellschaft, einem Fond oder einer anderen Bank einen solchen Kreditrückversicherungsvertrag ab.

In einem solchen Vertrag werden ähnlich wie in einer Haftpflichtversicherung zum Beispiel jedes Jahr ein Versicherungsbetrag fällig und für diesen Betrag steht eben der Versicherungsgeber ein im Falle eines Ausfalls des Schuldners.

Um die Übersicht nicht zu verlieren benennen wir den Kreditnehmer als Schuldner, der sich gegebüber der Bank – dem Kreditgeber – Geld ausleiht. Und eben der Kreditgeber wendet sich an einer Versicherung und sichert den Betrag ab.

Der Schadensfall tritt also ein, wenn der Schuldner zum Beispiel insolvent wird. In dem Fall kann er sein Geld nicht zurückzahlen. Die Bank wendet sich nun an die Versicherung und wird entschädigt. Der erste zentrale Punkt in diesem Gebäude ist: Der Schuldner hat weder Kosten noch Nutzen. Er zahlt weder die Versicherungsprämie noch bekommt er etwas aus dem großen Topf der Versicherung erstattet. Der Schuldner bleibt in jedem Fall auf seinen Schulden sitzen und die Bank wird auch weiterhin – sofern es möglich ist – die Forderungen aufrecht erhalten.

Der CDS wird auch nie abgeschlossen auf den Kredit eines “Erwin Müller”. Er wird abgeschlossen auf zum Beispiel 1.000 Kredite, die das Kreditinstitut in einem bestimmten Zeitraum abgeschlossen hat. Im Gegensatz dazu bietet die Bank auch dem Schuldner sogenannte Restschuldversicherungen an, die einspringen, wenn der bestimmte Kunde zum Beispiel arbeitslos wird oder krank. Hier versichert sich also ein Schuldner gegen eine oder mehrere Risiken. Hier muss man wissen, dass dies verschiedene Dinge sind.

Übrigens: Wer ein Haus kauft mit einem Kredit von € 300.000, nach 5 Jahren insolvent wird und dessen Haus oder gesamtes Resteigentum dann für € 400.000 verkauft werden kann, der verursacht keinen Schaden im Sinne des CDS. Der CDS meint nur die letztlich nicht eintreibbaren Forderungen.

In der verlinkten Darstellung ist es folgendermaßen formuliert:

Weder der CDS−Verkäufer noch der Käufer des Kontraktes müssen das Kreditpapier, das da gegen Ausfall versichert wird, tatsächlich besitzen. Es ist also so, als würde man ein fremdes Haus gegen Brandschäden versichern.

Welche Probleme löst ein CDS?

Ein CDS hat ja auch einen Grund weswegen es “ins Leben gerufen wurde”. Es ist für die Bank zunächst einmal eine Risikoverteilung. In dem genannten Dokument lautet es:

Wenn amerikanische Banken Kredite vergeben, müssen sie üblicherweise einen Teil davon – vorschriftsgemäß acht Prozent – zurückstellen, zur Sicherheit. Doch wenn sie sich per CDS−Kontrakt gegen den Kreditausfall versichern, gibt es ja auf dem Papier kein Risiko mehr. Also müssen sie auch keine Reserven halten.

Gerade kleinere Banken können auf diese Art auch bei größeren Projekten mit einsteigen und Kredite vergeben und – so war wohl der zentrale Gedanke – damit eben das Risiko auf andere verteilen. Die Idee des CDS war wohl eine gute, aber man kann mit einem Messer eben Kartoffeln schälen und auch jemanden umbringen.

CDS-Papiere befreien die Bank – also den eigentlichen Kreditgeber – von der 8%-Rückstellpflicht aber leider erzwingen diese beim Ausssteller des CDS keine solche. Im Idealfall könnten nun zwei Banken hergehen – jede hat ein Kreditvolumen von € 1 Mio – und sich gegenseitig die Kredite mit einem CDS absichern und “schwupp” sind die € 80.000,- Kreditrückstellungen aus beiden Büchern frei für anderes. Man hat wieder Geld, dass man eben woanders nutzen kann.

Das hört sich nach “wenig” an, aber wenn man weiß, das die eigentlichen Kredite von € 1 Mio dann zum Beispiel auch von der europäischen Zentralbank geliehen werden kann und die € 80.000,- aus dem Eigenkapital stammen bzw. vom kalkulierten Gewinn abgehen, dann sehen wir schon, dass es sich um “zwei Sorten Geld” handelt. Wenn alles gut geht, dann sind nach der Rückzahlung aller Kredite die € 80.000 ein verspätet ausgezahlter Gewinn und zwar je nach Laufzeit dann sogar ein Gewinn, von dem eine spätere Managergeneration profitiert. Das CDS ist etwas, dass die spätere Generation zu zahlen hat und zwar zu Gunsten eines etwas höheren Gewinns jetzt.

Doch mit der Hypothekenkrise und dem Abschwung der Wirtschaft in den USA gibt es wieder mehr Pleiten. Im Mai lag die Ausfallquote bei Krediten mit schwächerer Bonität bei zwei Prozent, berichtete die Rating−Agentur Moody’s. Innerhalb der kommenden zwölf Monate wird sie auf über sechs Prozent steigen, schätzen dieselben Analysten.

Auch das ist wichtig: Bei einer normalen Pleitewelle von zwei Prozent könnten die Kreditinstitute die Ausfälle aus der Portokasse bezahlen. Selbst bei Krisen mit einer Ausfallrate von 6% wären die 8% Rückstellungen noch völlig ausreichend. Das Problem ist:

Wegen der CDS gibt es keine Rückstellungen mehr, jedenfalls keine mehr im erforderlichen Umfang.

Man hat zwar die Policen aber keiner hat für den Schadensfall die Beträge zurückgestellt. Und nun ist guter Rat eben vor allem eines – teuer.

Nicht nur Banken handeln mit CDS-Papieren …

Neben dem Bankenclub, der sich gegenseitig die CDS-Papiere verkaufte haben natürlich inzwischen auch andere an dem Geschäft teilgenommen.

CDS sind Derivate: Papiere, die ihren Wert aus der Kursentwicklung oder aus den Preiserwartungen anderer Wertpapiere ableiten und die häufig nur noch für Mathematikgenies durchschaubar sind. Derivate haben der Wall Street nach der geplatzten Internetblase wieder Rekordgewinne beschert. Mit Derivaten lässt sich auf so gut wie alles wetten: Arbeitslosenzahlen, Orangenernte, Hurrikane, Wahlen – oder eben Zahlungsfähigkeit.

Bei meiner Frage, wer eigentlich den Aktienmarkt regiert Analysten oder Buchmacher habe habe ich den folgenden Satz aus der Erläuterung oben schon geahnt

»Wall Street würde auch darauf wetten, welcher Regentropfen schneller an der Scheibe runterläuft«, lästert Howard Simons, Stratege bei der Investmentfirma Bianco Research und mehr als 30 Jahre dabei.

Hier an der Stelle treten nun die Hedgefonds auf und über die heißt es:

»Statt eine Firma zu retten, drängen Hedgefonds auf den Konkurs«

Mit anderen Worten: Hier sitzt ein Club, der Kasse macht, wenn die Banken oder irgend ein x-beliebiges Unternehmen zusammenbricht, auf das sie gerade gewettet haben. Damit haben die Banken – niemand anders als sie selbst – eine “Industrie” geschaffen, deren einziger Existenzgrund die Vernichtung der Banken ist. Denn nur in dem Untergang des einen sind riesige Gewinne des anderen versteckt. In dem Beitrag über die Analysten oder Buchmacher konnte man – es war nur ein Beispiel aber die Zahlen bewegen sich in realistischer Größenordnung – mit einem Einsatz von € 10,- auf einen Anstieg einer Aktie wetten oberhalb von sagen wir € 200,−. Wenn der Kurs auf € 300,− steigt − und wenn es nur eine halbe Stunde ist, weil man jemand anderen zu einer Kauforder zwingen kann, dann kann man seinen Einsatz verdreissigfachen.

Es gibt bei den Optionspapieren die Get und die Put-Varianten und sie ahnen vermutlich schon, mit der anderen Variante macht man entsprechende Gewinne, wenn der Kurs auf z.B. € 100,- fällt.

Wir erinnern uns nun noch an ein Zitat, dass ich weiter oben schon anführte:

Weder der CDS−Verkäufer noch der Käufer des Kontraktes müssen das Kreditpapier, das da gegen Ausfall versichert wird, tatsächlich besitzen.

Das hat zur Konseqenz, dass man ein und das selbe Haus sogar mehrfach versichern kann. Und nun stellen Sie sich das mal auf den Alltag übertragen vor. Sie kaufen sich ein Haus und alle Ihre Nachbarn und Arbeitskollegen gehen hin und schließen auf Ihren Kredit hin eine Versicherung ab, bei der diese die Nutznießer sind, wenn Sie nicht zahlen können.

Folge: Sie können also wegen drohender Probleme irgendwann Ihre € 100.000 nicht zurückzahlen und jeder Ihrer Nachbarn und Kollegen bekommt nun aus seiner “Insovenzversicherung” die besagten € 100.000 – Sie natürlich nicht. Glauben Sie, dass Ihren Nachbarn und Kollegen Ihnen dann noch bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite stehen? Glauben Sie, dass Sie ihren Arbeitsplatz noch lange behalten? Glauben Sie, dass Sie wirklich Ihr Haus irgendwann einmal werden abbezahlen können?

Das glauben Sie nicht, das sowas geht?

Als der US−Autozulieferer Delphi Insolvenz anmelden musste, standen Kredite und Anleihen in Höhe von 5,2 Milliarden Dollar aus. Die CDS−Kontrakte auf diese Schulden betrugen 28 Milliarden Dollar mehr als fünfmal so viel.

Fazit: Wenn Sie selbst in einer solchen Sitation sind, was machen Sie am besten? Nun Sie schließen über Strohmänner resp. Strohfrauen wenigstens zwei solcher Verträge auch ab – am besten noch mehr – und machen dann gesund Pleite. Gesund heißt: Der Schaden muss möglichst groß sein.

Vielleicht ist das auch heute das Programm der Banken. Aus dem Beispiel oben – mit zwei Banken – kann man eines machen mit 6 Banken. Jede Bank gibt einen Kredit für € 1 Mio,- und müsste nun € 80.000,- zurückstellen. Theoretisch ist das eine Rückstellsumme von € 480.000. Statt dessen aber wird jeder Kredit “zur Sicherheit” bei den anderen fünf Banken mit jeweils € 1 Mio rückversichert. Jede Bank hat also als Kreditsumme € 1 Mio direkt an den Kunden ausgeliehen. Jede Bank hat diese 1 Mio bei 5 anderen mit einem CDS abgesichert und jede Bank hat also auf Grund der eigenen Situation aus den CDS eine Garantieleistung von 5 Mio zu übernehmen.

Frage: Welche Bank verdient nun das meiste Geld? Antwort: Es ist die Bank, die den größten Schaden hat, denn für einen eigenen Schaden von € 50.000,- Kreditausfall kann sie nun € 250.000,- Schadensersatz bekommen (50.000,- von jedem “Mitbewerber”. Hätte einer der anderen Banken nur € 20.000 Schaden, dann würde diese nur € 100.000 ersetzt bekommen. Die Bank ist also plotzlich an der Insolvenz des Kunden interessiert.

Bleiben wir aber der Einfachheit halber bei dem Schaden von € 50.000 für alle Banken. Derzeitige Folgen:

  1. In der Summe hat jede Bank einen echten Schaden von € 50.000,- . Der ist aber unwichtig, weil er abgesichert ist.
  2. In der Summe hat jede Bank einen Versicherungsschaden von € 250.000,-. Dieser ist aber nicht abgesichert.
  3. Mit diesem CDS-Schaden geht man nun auf die Politiker zu und lässt sich den Schaden ersetzen.
  4. Jede Bank “bekommt” – wie auch immer € 250.000 – vom Steuerzahler ersetzt, weil man die Bank ja schließlich nicht zu Grunde gehen lassen kann.

Kann man das Problem irgendwie anders lösen?

Zunächst einmal muss man sich darüber klar sein, wie die Dominosteine stehen und welcher zuerst umfällt. Der erste umfallende Dominostein ist in dieser Kette die Insolvenz des Häuslebauers und aus dessen Fall folgt alles andere. So jedenfalls habe ich die Nachrichten aus den USA auch in Erinnerung. Dieses oben beschriebene Spiel ging so lange gut, so lange die Zahl der Gläubigerinsolvenzen noch relativ klein war und so lange die Versicherungssummen schneller wuchsen als die Schadenssummen.

Die Frage, die sich mir daher stellt ist die, ob man die Millarden, die man derzeit an die Kreditinstitute verheizt nicht lieber “den Gläubigern” gibt. Dabei kann natürlich nicht aus dem Füllhorn verteilen. Aber man könnte mit eben diesen Milliarden einen Fond gründen und die insolventen Kunden den Banken abkaufen. Der Fond würde die weitere Abwicklung entsprechend eines gesetzlichen Inkassos dann übernehmen und damit tritt für das Kreditinstitut kein Schadensfall ein.

An dieser Stelle bezahle ich die Lösung des Problems genau einmal, nämlich an der Stelle an der der Zahler insolvent wird. Wenn es eine solche Auffanggesellschaft gibt, dann sind alle spekulativen CDS-Papiere wertlos geworden und nur darum geht es zur Zeit.

Also: Kreditnehmer und Kreditgeber stehen im Schuldverhältnis und das ist durch einen CDS abgesichert. Wenn nun eine dritte Partei einsteigt und dem Kreditgeber die insolventen Kunden abkauft, dann hat der Kreditgeber keinen Schaden mehr.

Wenn aber die Bank Zuschüsse bekommt, um die Schulden eines insolventen Kreditnehmers abschreiben zu können, dann hat die Bank einen Schaden und genau dieser löst die CDS-Versicherung aus und damit wird der Schaden vervielfacht.

Also: Nicht die Bank braucht Zuschüsse, sondern ein Fond, der der Bank die insolventen Kunden abkauft.

Natürlich müssen hier die Banken letztlich irgendwie wieder einzahlen. Aber mit einigen Milliarden im Topf gewinnt man zum einen Zeit – die Banken müssen nichts verramschen und man bricht die Macht der Hedgefonts.

Und ein weiterer Punkt ist der: Die Kosten sind kalkulierbar. Ich brauche nur die Menge der aktuellen Kredite zu erfassen, kann die Ausfallrate berechnen und habe dann mit einer kalkulierbaren Menge Geld das Problem unter Kontrolle.

Und die Buchmacher schließlich bekommen jeder eine große Keule in die Hand gedrückt und dann dürfen die das unter sich ausmachen.

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— Wolfgang Uhr · Freitag Oktober 10, 2008

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