Die Suche nach “Warum bringt der Schornsteinfeger eigentlich Glück?”
Ich sitze vor meinem Browser und bestaune die vielen Beiträge in Google zum Thema: “Warum bringt der Schornsteinfeger eigentlich Glück?”. Ich staune, wie einfach man sich die Sache doch macht und wie elegant man hier zu Werke geht. Um es mit der Welt so zu erklären wie es allgemein bekannt ist, greife ich auf folgende Worte zurück.
Die Hamburger Schornsteinfegerinnung erklärt dies historisch: Weil ungereinigte Kamine in den damals noch strohdachgedeckten Häusern oft zu Bränden führten, hatten diejenigen Hausbesitzer, deren Häuser nicht abbrannten, weil die Kamine gekehrt waren, Glück: “Ein Glück, dass der Schornsteinfeger da war.”
Naja mit der Erklärung sind doch sehr viele Menschen Glückbringer, oder? Wie ist das mit dem Feuerwehrmann, der jemanden aus einem brennenden Haus holt oder wie ist das mit dem Polizisten, der den Dieb schnappt und verhindert, dass er nicht mehr weiter rauben darf? Ist das nicht auch eine Art Glückbringer? Oder was ist mein Versicherungsmakler, der ggf. dafür sorgt, dass ich ein neues Haus bauen kann, wenn das alte abgebrannt ist?
Zu den Glücksymbolen aus alter Zeit gehören Kleeblatt, Hufeisen, und Schornsteinfeger. Wieso ist eigentlich das Schwein der Glückbringer und nicht der Metzger? Der Metzger sorgt doch dafür, dass wir das Schwein auf den Teller bekommen und es essen können. Oder warum ist das Hufeisen der Glücksbringer und nicht das Pferd oder der Reiter? Beim Schornsteinfeger jedenfalls ist es der Schornsteinfeger selbst, nicht die Leiter oder sein Gerät, mit dem er den Kamin reinigt.
Auch dazu zwei einfache Pressemeldungen
rbb-online.de schreibt von einem Schornsteinfeger, der einen Bäckereischornstein säuberte.
Nach dem Kehren war die gesamte Backstube mit einer feinen Rußschicht überdeckt. Familie Guski brauchte Stunden, um den Dreck zu beseitigen. Diese Arbeiten sowie die zerstörten Backwaren stellte sie dem Schornsteinfeger in Rechnung, doch dessen Versicherung will nicht zahlen.
Vielleicht liegt es ja in dem Fall einfach nur an der Versicherung und nicht am Schornsteinfeger. Der Schornsteinfeger hatte eben nicht so viel Glück bringen können, wie die Versicherungsgesellschaft Unglück.
Und gas.idealo.de
Nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten erhielten rund 200 Stuttgarter Schornsteinfeger ein Angebot, wonach sie für ein erfolgreiches Beratungsgespräch, welches zum Vertragsabschluss führt, eine Provision in Höhe von 60 Euro bekommen.
Innerhalb des Beitrages wird angedeutet, welche Macht Schornsteinfeger auch heute noch haben. Das Schornsteinfeger-Monopol besteht bis zum Jahre 2013 und wenn es der 1.1.2013 ist, dann sind es immerhin noch fast drei Jahre. Der Schornsteinfeger ist so etwas wie der TÜV-Sachverständige für Ihren Kamin und der konnte und kann Ihnen relativ schnell und einfach einen Kamin schließen, im Zweifelsfalle von einem Augenblick auf den anderen. Natürlich müssen Gründe dafür vorhanden sein und das sind sie in der Regel auch. Nur: Wenn ich zum TÜV fahre mit meinem Fahrzeug und nicht zufrieden bin, dann kann ich zur DEKRA fahren und den Wagen dort vorführen. Wenn ich ihn dort zugelassen bekomme (TÜV-Plakette) dann darf ich damit fahren. Beim Kamin gibt es nur den Schornsteinfeger, den Schornsteinfeger und den Schornsteinfeger. Und da die Gebiete aufgeteilt sind, kann man noch nicht einmal einen anderen Schornsteinfeger zu Rate ziehen. Der ist einfach “nicht zuständig”.
Eine gerichtliche Auseinandersetzung dauert Jahre und so lange will keiner ohne Heizung sein. Also muss man sich arrangieren. Nun kommt ein solch mächtiger Mann in die Wohnung und berät über ein Produkt an dem er 60 Euro mitverdient. Das hat den Beigeschmack eines “staatlich verordneten Produktes”. Selbst wenn der Mann seine “Uniform” auszieht, es ist schwer, hier nein zu sagen. Und das war früher nicht anders.
Im Gegensatz zum Schornsteinfegermeister verdankt der TÜV sein Entstehen den “Opfern” von Katastrophen. Wikipedia schreibt dazu:
In der Zeit der Industrialisierung gründeten Dampfkesselbesitzer unabhängige regionale Überwachungsorganisationen in Form von Vereinen, deren Erfolg bei der Unfallverhütung so groß war, dass ab 1871 die Mitgliedschaft in einem solchen Verein von der Inspektion durch einen staatlichen Inspektor befreite. Mit zunehmender Anzahl und Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen hatte es nämlich immer mehr Unfälle durch explodierende (genauer: zerknallende) Dampfkessel gegeben.
Also: Der TÜV entstand, weil die Unfälle sich mehrten und die Betroffenen nach einer Lösung suchten. Der Schornsteinfegermeister entstand als Beruf, weil den Betroffenen alles gleich war und die Lösung on “oben” also von Regierungsseite eingeführt wurde. Damit war der TÜV resp. der TÜV-Mitarbeiter immer jemand, der auf gleicher Augenhöhe redete, der Schornsteinfegermeister, war der Vertreter des Königs.
Der Schornsteinfeger früher …
Gehen wir zurück in eine Zeit, in der die Häuser brannten, weil die Leute diese Kamine nicht reinigten und in der es immer wieder und wieder zu Katastrophen kam. Hier hat dann die Regierung oder ein Fürst, König, Kaiser dann erlassen, dass es für den Bezirk x den Schornsteinfegermeister y gibt, der zuständig ist für die Sicherheit der Kamine und natürlich meldepflichtig gegenüber der Regierung. Diese personelle Entscheidung ist also durch eine reine Machtentscheidung zu Stande gekommen. Der Mann war zuständig für die Sicherheit und er prüfte die Kamine und traf seine Anweisungen. Es war also zunächst einmal kein Glückbringer. Hier kam einer, hatte amtliche Siegel und kann den Kamin schließen.
Wie lautete es in dem Text da oben?
Weil ungereinigte Kamine in den damals noch strohdachgedeckten Häusern oft zu Bränden führten, hatten diejenigen Hausbesitzer, deren Häuser nicht abbrannten, weil die Kamine gekehrt waren, Glück: “Ein Glück, dass der Schornsteinfeger da war.”
Man muss schon ein wenig suchen im Web und landet dann irgendwann bei den Gegnern der Schornsteinfeger. Unter kontra-schornsteinfeger gibt es einmal eine Webseite, die sich gegen das Schornsteinfegermonopol richtet und eben unter anderem einen “Test” anbietet auf den ich verlinkt habe. Dort lautet es:
2. In welchem historischen, sozialkritischen Roman wird das Elend der Kinderarbeit für Kaminkehrer bloßgelegt?
Und die Antworten sind genannt:
2.1 Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn (Mark Twain)
2.2 Oliver Twist (Charles Dickens)
Der Kaminkehrer war früher nicht derjenige, der auf das Dach kletterte und die Kamine reinigte. Er war jemand, der das Ergebnis geprüft und abgenommen hat und der als Einziger in einem Bezirk dazu das Recht hatte. Er war derjenige mit dem Prüfmonopol.
In dem Zusammenhang ist auch die Arbeitskleidung zu verstehen. Er war der Gentleman, der hinterher nur kontrollierte, ob alles richtig gemacht wurden.
Die Kunden konnten sich also nur an ihn wenden. Auf der anderen Seite gab es ein Arbeiterelend und hier lag es nun nahe, sich der Kinder als Arbeitskraft zu bedienen. Und diese Kinderarbeit mit allem drum und dran, die ist überliefert von Mark Twain in dem Buch “Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn” und von Charles Dickens in “Oliver Twist”. Wenn man diesen Büchern glauben schenken darf – und vieles spricht dafür – dann sind die Kinder durch die Kamine hochgekrochen, mussten sich mit den Beinen einklemmen und mit den Händen die Wand über dem Kopf sauber bürsten. Irgendwann waren die Kinder zu groß für diese Arbeit und wurden entlassen. In dem Zusammenhang war es keine schmutzige Arbeit, die der Schornsteinfegermeister tat, es war Kinderarbeit, die er tun ließ.
Dies änderte sich erst im letzten Jahrhundert. Zum einen sind die Kamine heute innenverputzt und innenbeschichtet und lassen sich mit einer Bürste an einem Seil wesentlich leichter reinigen und zum anderen ist Kinderarbeit inzwischen verpönt.
Aber damals wie heute konnte der Schornsteinfegermeister jemandem zumindest in Grenzfällen den Kamin sehr leicht schließen. Und ein geschlossener Kamin bedeutete damals nicht nur “keine Heizung”. Es bedeutete auch “kein warmes Wasser und kein warmes Essen”. Es bedeutete das Todesurteil für das gesamte Haus. Das Handwerk hatte in der Zeit eine recht umfangreiche Machtstellung im Leben der Menschen, aber keine Macht irgend eines anderen Handwerkers war so einschneidend in das Leben eines Einzelnen. Kein anderer Handwerker konnte das Leben des Einzelnen von einem Tag auf den anderen so negativ beeinflussen. Der Kamin war in der Mitte des Hauses und wenn der nicht mehr gereinigt und genutzt werden konnte, war das Haus abbruchreif!
Und nun: Wie begegnet man Menschen mit Macht? Die Antwort hängt ein Stück weit auch von der Frage ab, welchem Menschen man begegnet und wie umfangreich die Macht ist, die derjenige hat und auch von der Bereitschaft, diese zu nutzen. Bei der Art und Weise wie derjenige an die Macht kam – vom König eingesetzt mit Siegel des Regenten – war klar, dass derjenige seine Macht wirklich nutzte und ggf. auch schon einmal ausnutzte.
Weiter ist noch zu bedenken, wie und auf welche Art man die Macht herausfordern kann. Typische Herausforderungen sind Kinderstreit. Immerhin lebt dieser Mann im gleichen Dorf oder in der gleichen Stadt. Was macht man, wenn die eigenen Kinder sich mit den Kindern des Schornsteinfegermeisters prügeln? Das darf es nicht geben. Das könnte das Verhältnis gefährden und das Leben sehr sehr unangenehm gestalten. Also muss man den Kindern beibringen, solche Konflikte zu vermeiden. Der Schornsteinfeger und seine Familie werden zu Glückbringern hochstilisiert. Sie sind damit “lebende Dorfheilige” oder “Stadtheilige” und selbstverständlich darf man sich als Kind auch mit dessen Kindern nicht prügeln. Das bringt – möglicherweise im wahrsten Sinne des Wortes – Unglück. Da sagt man den Kindern besser. Oh der … hat dich geschlagen, freu dich das bringt dir Glück.
Heute ist das Schornsteinfegerhandwerk ein normaler Beruf. Der Schornsteinfegermeister hat zwar das Monopol noch, aber das warme Wasser und warme Essen kann leicht mit Elektrogeräten hergestellt werden und bei der Heizung gäbe es auch Alternative bei einer nicht stattfindenden Zusammenarbeit. Früher reiste man mit der Kutsche ins benachbarte Dorf, die Post in die Hauptstadt brauchte Tage. Heute findet man im Web die Seite des Schornsteinfegerverbandes und kann dessen Kollegen ansprechen und Wege der Konfliktlösung suchen, die früher nicht zur Verfügung standen. Heute kann man mit Gutachten reagieren, einstweiligen Verfügungen oder auch mit umfangreicher Pressearbeit.
— Wolfgang Uhr · Dienstag Februar 23, 2010
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— Joachim Datko · Sep 8, 13:07 · #
Mehr zum Schornsteinfeger-Problem:
Portal : www.kontra-schornsteinfeger.de
Forum: www.schornsteinfeger-ko.de
Joachim Datko – Ingenieur, Physiker
Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol – Sektion Bayern
— Wolfgang · Sep 8, 13:26 · #
Ich wußte gar nicht dass es ein Schornsteinfegerproblem gibt. So wie ich meinen Beitrag verstehe war nicht der Schornsteinfeger das Problem. Das Problem war der Bürger. Der TÜV hat gezeigt, dass es auch anders geht. Aber dazu war ein ernsthaftes Interesse nötig am sicheren Betrieb eines technischen Gerätes.