SDS, SDS Plus und SDS Quick - ein Vergleich

Warum diese Übersicht von SDS, SDS Plus und SDS Quick

Nun mir ist es passiert, ich war im Geschäft, wollte einen Bohrer greifen, schaue nach SDS, greife zu. Erst auf dem Weg zur Kasse ist mir aufgefallen: “Das ist nicht der Bohrer den du brauchst”. Überrascht habe ich dann erfahren, dass es nicht nur SDS-Plus gibt, sondern auch SDS-Quick. Hätte das Preisschild ein paar cm tiefer geklebt, dann hätte ich es erst zu Hause gemerkt. Es sind zwar in einer Richtung “nur” 14 km Fahrt aber in der Rush-Hour dauert die durchaus 1h.

Wenn Sie die Unterschiede nicht kennen zwischen den Systemen und vermeiden wollen, den falschen SDS-Bohrer zu bestellen – im Internet – dann lesen Sie weiter. Kennen sie die Unterschiede, dann wird Ihnen der Beitrag nichts neues sagen.

Hilti als Erfinder von SDS

Die sds-Kerbe für die Aufnahme in einer Hilti-Bohrmaschine

Es war 1967. Die Firma Hilti präsentierte mit der TE 17 einen Bohrhammer mit elektropneumatischen Antrieb. Während bei der klassischen Schlagbohrmaschine ein Excenter periodisch auf einen Bohrer schlägt – also hämmert – wird beim pneumatischen Antrieb ein mit Zylinder zwischengeschaltet mit zwei Kolben. Mit diesem “Trick”, den sich die Firma Hilti natürlich patentieren ließ, war nun ein effizienteres Bohren möglich. Die Kraft, die auf den Bohrer drückt, die steht über einen längeren Zeitraum an der Bohrer wird auch nach dem Schlag zurück gezogen. Der Praktiker erinnert sich an die typischen Schlagbohrmaschinen, mit denen zu arbeiten es eine Qual war – und es heute noch ist – und an die Hilti, die sogar in Stahlbeton bohrte ohne große Probleme.

Die neue Antriebstechnik erzwang neue Bohrer. Der pneumatisch angetriebene Bohrer ist weit weniger spitz als der klassische Schlagbohrer. Um eine Verwechslung zu vermeiden zwischen beiden Bohrersorten wurde ein neuer Bohrerschaft eingeführt und das ist der SDS-Schaft. Der SDS-Schaft hatte unter anderem die Aufgabe, den Einsatz des einen Bohrers in der anderen Maschine zu verhindern.

Die Firma Hilti stellt nur hochwertiges Werkzeug her für Baustellenfachbetriebe. Der Hobbybereich oder der Consumerbereich war für diese Firma uninteressant und so waren lange Jahre die Namen Hilti und SDS Bohrer miteinander verbunden. Musste man in Stahlbeton bohren, stand nur diese eine Marke zur Verfügung.

Die Firma Bosch als “Erfinder” des SDS-Plus

Die sds-plus-Kerbe für die Aufnahme in einer Bosch-Bohrmaschine

Einige Jahre später interessierten sich die Hersteller von Werkzeugen für Bastler und Profis auch für dieses System. Auch sie wollten nun das elektropneumatische Antriebssystem in die Bormaschine integrieren. Im nebenstehender Abbildung sieht man einen Bohrerschaft, der vor der Aufnahme auf die SDS-Plus-Kerbe gedreht wurde. Diese Bauart der SDS-Halterung war anders als die von Hilti und damit war das Patent bzw. das Muster ausgehebelt. Die Zulieferer können nun Bohrer herstellen sowohl für die Hilti als auch für die Bosch-Bohrmaschine und die Hilti greift nach wie vor in die SDS-Kerbe und die Bosch greift nur in die SDS-Plus-Kerbe.

Die Bohrer werden heute durchweg als SDS-SDS-Plus-Kombinationen gefertigt und kurz SDS-Bohrer genannt, gelegentlich – wenn diese in einem Bosch-Regal liegen, dann spricht man auch von einfach von SDS-Bohrern.

Nebenbei gab gibt noch eine Wikipedia und die haben es tatsächlich geschafft in der Firma Bosch, den Entwickler der SDS-Systeme zu sehen.

Die Wikipedianer schreiben übrigens zur Bedeutung von SDS:

Die Abkürzung SDS stand ursprünglich für Steck, Dreh, Sitzt, wird aber heute international als Special Direct System bezeichnet.

Oder sagen wir es anders. Natürlich muss SDS beim Wechsel von Hilti nach Bosch auch einen anderen Inhalt bekommen. Ich würde hier vermuten, dass die Hilti-Bezeichnung SDS für “Steck, Dreh, Sitzt” steht, während die Bosch-Bezeichnung des SDS in SDS-Quick das Special Direct System meint.

Übrigens kann man mit einem einfachen Blick auf die Schafte schon Qualitätsunterschiede der Systeme erkennen. Das Hilti-SDS führt den Bohrer wegen der Kerbe ohne ein Verrutschen beim Schlag nach vorne und nach hinten. Das Bosch-SDS-Plus kann den Bohrer nur vorschieben. Bei der Rückwärtsbewegung kann er nicht greifen, bzw. in dem Fall kann der Bohrer rutschen.

SDS-Plus ist also weniger als SDS und wenn Sie wirklich viele Löcher in Stahlbeton bohren wollen oder müssen, dann nehmen Sie weiter die Hilti. Sie verwenden die gleichen Bohrer aber die Maschine greift in die andere Kerbe.

SDS-Quick oder sollte man sagen: SDS-Light?

Eine Schraubenzieherklinge als Demonstration einer sds-Quick-Klinge

Hinweis zum Bild: Es handelt sich nicht um das Bild eines Schaftes eines sds-Bohrers. Solch einen Bohrer habe ich nicht. Ich habe statt dessen die Klinge fotografiert eines Schaubenziehers, der in einen Steckgriff eingefügt werden kann. Der sds-quick-Bohrer sieht ähnlich aus.

Bisher war eigentlich alles verständlich. Die Firma Hilti interessierte sich nicht für den Consumer-Markt, die Firma Bosch kopierte und adaptierte eine auch für diesen Markt interessante Technologie und nun gibt es eben elektropneumatische Bohrmaschinen auch für den Heimwerker.

Doch nun: Was ist SDS-Quick?

Bislang habe ich diese kleinen Maschinen etwas belächelt – denn SDS-Quick führt zu kleineren kompakten, ja sogar Akkubetriebenen Bohrmaschinen. Sowohl SDS also auch SDS-Plus haben genau einen gleichen festen Bohrschaftdurchmesser. Da es für diesen Durchmesser auch Spezialzubehöre gibt wie zum Beispiel eine Bohrkrone für 55er-Löcher (Steckdosen) und sogar 70er-Löcher (Verteilerdosen) muss der Bohrerschaft und auch das Bohrfutter eine gewisse Stabilität aufweisen. Das wiederum bedeutet Material und gewicht. Die SDS-Quick-Serie geht gar nicht so weit. Der Anspruch endet beim Bohrer und hier ggf. beim 10 mm Bohrer.

Ich habe in der Welt bereits gelernt, dass es falsch ist ein “es wird niemals geben” zu sagen. Ich habe immer wieder lernen dürfen, dass es dann doch jemand herstellt und anbietet. Aber an dieser Stelle kann man sich das m.E. schon wagen. Es geht um die Aussage: “Es wird niemals ein SDS-Quick geben mit einer 70er Bohrkrone.” Würde jemand so etwas herstellen, dann würden die Bohrmaschinen damit nur der Reihe nach an und in der Wand hingerichtet werden. Die Geräte würden überlastet.

Fazit: SDS-Quick ist ein System für kleine Bohrdurchmesser und wohl auch für Bits und bei den Bits ermögliche SDS-Quick soagar ein schnelles einspannen.

Anwendungsbereiche der Systeme SDSSDS-Plus und SDS-Quick

Ich habe in einem anderen Beitrag Bosch PBH 2900 FRE kontra Hilti TE 22 die Grenze gezogen zwischen der Anwendung einer Hilti – typische Anwendungen hier sind Betontecken in Großraumgebäuden mit durchweg einer Aufgabe, nämlich diejenigen Loch für Loch in eine solche Decke zu bohren, um zum Beispiel Kabelschächte daran aufzuhängen und gemischen Heimwerkeraufgaben – hier ein ganz klein wenig Bohren, dort ein klein wenig meißeln. Im zweiten Fall ist eine SDS-Plus-Maschine besser, wobei das nur partiell stimmt. Das “besser” sein ist nicht zurückzuführen auf SDS-Plus – das wurde nur gebraucht, um Zubehörkompatibel zur Hilti zu sein – das “besser” sein ist zurückzuführen auf die zusätzlichen Bohrmaschinenfunktion “meißeln” und ggf. Geschwindigkeitsregelung und Drehrichtungsumkehr.

SDS-Quick ist optimiert auf einen Heimwerker, der keine Elektronistallation macht, sondern zum Beispiel Holzdecken oder vertäfelte Wände, der braucht nur Bohrer im kleinen Durchmessern und damit SDS-Quick-Maschinen. Und der wiederum braucht leichte Maschinen.

Die Probleme von SDS-Quick

Auch wenn es sich merkwürdig anhört, SDS-Quick birgt auch ein paar Probleme.

  1. Ich weiß bzw. habe zufällig erfahren von dem SDS-Quick-Bohrer, weil ich einfach einen SDS-Bohrer kaufen wollte und diesen als ersten in der Hand hatte. Mir ist das sofort aufgefallen, dass der Bohrer anders ist, weil ich die Bohrer kenne. Wenn aber irgendwer irgendwen zum Einkaufen schickt, dann weiß der das nicht. So wird nun unter Garantie sich der Fall häufen, in dem jemand einem anderen einen Gefallen tun will und dabei etwas Falsches mitbringt. Der Gebrauch von SDS ist hier extrem verwirrend.
  2. Wenn die Entfernung zum Händler/Baumarkt mehr als 30 Kilometer beträgt, könnte man in die Versuchung kommen – bevor man hin und her fährt – den Bohrer in die falsche Maschine zu setzen. Die dabei gefährliche Kombination ist der SDS-Quick-Bohrer, der versehentlich gekauft wurde und nun in eine klassische Bohrmaschine eingesetzt wird. So etwas kann das Bohrfutter zerstören, denn die normalen Bohrfutter haben alle ein Dreibackenfutter. Wenn man dort einen Borher einsetzt, der zwei Externausbuchtungen von 180° hat, dann werden die Einspannfutter zum “Mitnehmer” beim Bohrvorgang. Das kann das Bohrfutter zerstören.

Mit anderen Worten SDS Quick – also ich spreche jetzt von dem Namen “SDS-Quick” nicht von der Technik ist die perfekte Steilvorlage für nutzloses hin- und her- Fahren. Ich frage mich einfach: Warum hat man dem Ding nicht einfach einen anderen Namen gegeben?

Mein Lösungsansatz: Bevor Sie jemanden einkaufen schicken, einen SDS-Bohrer zu kaufen, drucken Sie diese Beschreibung aus und geben Sie ihm diese in die Hand.

— Wolfgang Uhr · Montag Januar 11, 2010

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Kommentare

  1. — Christian R. · Jan 20, 23:04 · #

    Die Verwendung des Namens “SDS Quick” mag vielleicht etwas verwirren, allerdings ist das von Ihnen bei Google erhaltene Suchergebnis durchaus richtig.

    Die Abbildung zeigt den “Uneo” Akku-bohrhammer von Bosch und dieser läuft NUR mit SDS Quick Bohrern oder mit Bohrern die einen Sechskantschaft haben.

    Gruß

  2. — Wolfgang · Jan 30, 19:30 · #

    Danke für den Tip, ich habe das Bild mal gelöscht aber ich muss mir das noch mal im Detail ansehen.

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Mein Name ist Wolfgang Uhr, ich bin Physiker und entwickle Software im Bereich der Erfassung von Messdaten und deren Verarbeitung. Dies ist meine persönliche Hobbyseite.


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