Nun geht es den Kaminen an den Kragen?

Heizen mit Holz hat Tradition

Ich wohne in einem Kurort, das ist ein Ort, in dem Leute Urlaub machen um gesund zu werden und zu den guten Zeiten der Krankenkassen – als deren Kassen eben noch voll waren – hat man die Leute hier hin geschickt, eben auf Kassenkosten. Dieser Ort zeichnet sich aus dadurch, dass hier eine traditionelle Holzwirtschaft tätig ist und man hat schon immer mehr oder weniger mit Holz geheizt, viele haben einen eigenen Wald und viele irgendwo ein eigenes Eckchen mit eigenem Brennholz.

Es gibt sogar Hotels, die ihre Heizung mit Brennholz betreiben. Manche kaufen sich teure Großraumöfen, in die man die Holzscheite direkt in der vollen Länge von einem Meter einlegen kann. Man braucht diese deswegen dann nicht mehr klein schneiden auf 25 cm oder 30 cm Länge. Eine Länge von 25 cm oder 30 cm ist die normale Lieferform.

All das ist nicht nur in den letzten 3 Jahren gewesen. Nein, seit der Gründung des Dorfes (Schömberg wurde erstmalig 1170 urkundlich erwähnt) hat man mit Holz geheizt. Sogar Anfang des vorigen Jahrhunderts hat man die Kurkliniken mit was geheizt? Sie werden es kaum erraten können, mit Holz.

Und erst als der Kurbetriebsboom in der Nachkriegszeit richtig lief, erst in diesen Jahren hat man es sich leisten können, mit Strom zu heizen, mit Erdöl oder Erdgas und in den letzten Jahren kommt die Solarenergie hinzu.

In all diesen Jahren ist das Heizen mit Holz weniger geworden. Es hat zunehmend Marktanteile verloren. Die Frage, die man sich stellen muss ist: Was hat sich in den letzten Jahren geändert und warum nun dieser Hype um die Kamine? Wieso sind nun auf einmal alle aufgeschreckt und wieso ist nun auf einmal Heizen so gefährlich?

Die Entdeckung der Pellets

Eines muss man wissen, wenn man sich Pellets ansieht: Pellets sind zumindest in der ersten Stufe Holzabfälle. Man hat Holz- und Baumreste zu Pellets verarbeitet, die trocknen schneller und verbrennen schneller. Erster Nachteil: Damit ist keine “Handbefeuerung” mehr sinnvoll möglich, denn sonst müsste man alle drei Minuten eine halbe Kaffeetasse Pellets in den Ofen werfen. Um Pellets verheizen zu können ist ein automatisches System nötig. Das Holz muss fein dosiert und klar geregelt zugeführt werden. Mit einem solchen Automatismus aber sind Pellets eine Win-Win-Beziehung für alle Beteiligten. Man kann Holzabfälle verarbeiten und daraus hochwertiges Brennmaterial machen. Eine moderne Pelletheizung steht einer modernen Öl- oder Gasheizung in nichts mehr nach, weder in Komfort noch in der Leistungsfähigkeit.

Das wirtschaftliche Problem eines “Abfalls” ist seine begrenzte Verfügbarkeit. Man kann die Produktion von Abfall nicht einfach ankurbeln und diese “Lektion” lernen viele, die sich solch eine Anlage zugelegt haben und heute kein Brennmaterial mehr bekommen.

Diese “Nichtverfügbarkeit” von Abfällen führt mittlerweile zu kapitalistischen Stilblüten, die man sonst nur aus dem Kommunismus zu kennen glaubt. In Xing war einmal eine Projektdiskussion in der die Möglichkeiten angesprochen wurde, in Rumänien eine Pellettieranlage aufzubauen. Man würde dort gutes Brennholz pelettieren und dann in Deutschland als Pellets einführen.

Die Pellets – Abfallcontainer?

Dass die Pellets insgesamt aus nicht mehr weiter verwertbaren Holzabfällen gemacht werden, dass sollte klar sein und daran ist auch nichts verwerfliches. Problematisch ist eher die Frage: “Was ist das sonst noch drin?”

Wenn ich mir Holzbriketts im Laden kaufe, und diese auf einer guten Säge zu kleinen Platten verarbeite, dann unterscheiden die sich rein äußerlich nicht von Spanplatten. Wenn ich dann mit diesen Platten zum Bauhof fahre und diese als Abfall entsorgen möchte, dann darf ich diese unter Garantie nur in den sogenannten “Container – Belastetes Holz” werfen und in keinem Fall in den “Container – Unbelastetes Holz”. Es ist klar. Dort vor Ort kann man nur “optisch” vorgehen und da muss man eben auf der sicheren Seite bleiben.

Übrigens: Ein “normales sauberes Brett” kann man klein schneiden und im Kamin verheizen, eine Spanplatte eigentlich nicht. Und wenn Sie überhaupt nichts wissen über die Spanplatte, dann würde ich dazu auch keineswegs anraten. Sie müssen beachten, dass hier auch Dioxine und andere Schadstoffe entstehen können und die haben Sie dann im Zweifel in der Wohnung.

Nehmen wir einmal ein Zitat:

In n-tv lautet es (Eine ähnliche Aussage findet sich auch in der Zeitschrift die Welt):

Bundesweit gibt es nach Angaben des Ministeriums mehr als 15 Millionen mit Holz befeuerte Öfen und Heizungsanlagen. Sie verpesten die Luft stärker als alle Dieselfahrzeuge zusammen: Im Jahr 2005 waren es 24.000 Tonnen Rauchstaub.

Hier ist eine statische Zahl genannt, also ein Zustand im Jahre 2005. Viel wichtiger wäre es gewesen, wie es im Jahre 2000 ausgesehen hätte weit vor Krise und Boom. Hier wäre ich keineswegs überrascht, wenn die Zahlen maximal 20% des genannten Wertes ausgemacht hätten. Die Frage nach Kaminen boomt erst in den letzten Jahren und das wegen der gestiegenen Energiekosten.

Wir können auch von der anderen Seite einmal herangehen an die Sache: Nehmen wir einmal einen Baum – die Rotbuche. Rotbuche ist des häufigste Brennholz und über diesen Baum sagt die Wikipedia “… im Alter von etwa 100 bis 150 Jahren kann eine Rotbuche im Freistand bereits ihre maximale Höhe erreichen …” und außerdem ist sie “ … mit einem Anteil von 14 % der häufigste Laubbaum in den Wäldern Deutschlands”. Wenn wir eine durchschnittliche Lebensdauer von nur 50 Jahren nehmen, in denen eine Buche geschlagen wird, und wenn wir alles verbrennen, was wir ernten, dann wird pro Jahr die Ernte einer Anbaufläche von ca. 0,75% der Waldfläche der Bundesrepublik verheizt. 30% der Bundesrepublik sind bewaldet und damit sind es 0,25% der Bundesrepublik um die es hier geht.

In einer Klimadiskussion habe ich mitbekommen, dass man ca. die 10 fache Fläche der Bundesrepublik bebauen müsste, um die Bundesdeutschen Autos mit “nachwachsendem Kraftstoff” versorgen zu können. Ich habe bisher keine Zahlen finden können aber nehmen wir hier ein Verhältnis Benzin:Diesel 50:50, so steht auf der einen Seite das “Verbrennen der Ernte einer Fläche, die fünf mal so groß ist wie die Bundesrepublik und auf der anderen Seite eine Fläche, die nur 0,25% ausmacht. Das ist ein Faktor 200.

Von daher ist diese Aussage entweder eine maßlose Übertreibung oder ein Indiz auf ein katastrophales Fehlverhalten der Bewohner. Eine andere Möglichkeit sehe ich zur Zeit nicht.

Die Frage lautet: Was brennt da eigentlich in den Kaminen? Holz kann es nicht sein. So viel gibt der Markt offenbar nicht her. Oder werden nun doch Spanplatten verheizt und Yoghurtbecher?

In der FAZ wird eine Schweizer Studie zitiert:

Bei nach geltendem Recht unzulässigem Brennmaterial wie Spanplatten oder feuchtem Holz in Kaminöfen gibt es nicht nur mehr Ausstoß, sondern auch eine andere Abgaszusammensetzung.

Also: Die Studie besagt, dass es mehr Ausstoß gibt, wenn man mit falschen Materialien heizt und man stellt fest, dass es diesen extremen Anstieg gab. Frage: Hat man „die andere Zusammensetzung“ messtechnisch ausgeschlossen?

Und innerhalb der Studie lautet es dann wohl auch:

Die insgesamt hohe Belastung der Luft mit Feinstaub aus der Verbrennung von Holz (und Kohle) ist also vor allem auf Fehlbedienung zurückzuführen.

Und genau DAS glaube ich sofort!

Das in den Jahren von 2000 bis 2005 ein paar Kamine in Deutschland plötzlich für alle hochgradig gefährlich werden, dass nehme ich niemandem ab. Aber dass die Leute alles was brennt in den Ofen schieben, um ein paar Euro Heizkosten zu sparen, dass kann ich nachvollziehen.

Ich kann sogar nachvollziehen, dass man bei der extremen Nachfrage von Pellet, nichterlaubte Abfälle in die Pellets gemischt werden. Ein Bekannter von mir hatte nach seiner Heizungsumstellung schon einen Tipp bekommen. Er möge doch von jeder Lieferung von Pellets eine Charge in einem Marmeladenglas zurückstellen, um spätere Reklamationen begründen zu können. Hier ging es mehr darum, dass offenbar in den Pellets Materialen eingemischt werden, die die Heizanlage korrosiv angreifen.

Man wird wohl wirklich den Leuten klarmachen müssen: Ein Kamin ist keine Verbrennungsanlage und demzufolge eben auch nicht für alles geeignet. Und vielleicht – sogar ganz bestimmt – wird auch ein weiteres noch nötig sein und das ist eine Qualitätskontrolle für Pellets. Ein Holzscheit ist ein Holzscheit. Den kann man als solchen erkennen und mit etwas Übung kann man am Gewicht schon abschätzen, ob er trocken ist und am Aussehen erkennt man die Baumart. Hier ist klar, was man in den Ofen schiebt. Bei den Pellets ist das nicht der Fall. Hier liegt eine unausgesprochene Einladung vor zur Abfallentsorgung.

_

— Wolfgang Uhr · Sonntag Dezember 2, 2007

---

Kommentare

  1. Karsten · Jan 6, 08:17 · #

    Zum einen finde ich das Heizen mit einem Kamin wesentlich schöner, angenehmer und wärmer als mit einer normalen Heizung und Pellets. Und selbtsverständlich ist diese Variante günstiger. Das einige jedoch falsch feuern, liegt wohl daran das denen selbst Holz zu teuer ist. Und unseren Klimawandel gibt es schon einige Jährchen länger,das liegt bestimmt nicht an dem Ausstoß aus dem Kamin…

Hinweise zur Kommentareingabe















---

Ein herzliches Willkommen
Mein Name ist Wolfgang Uhr, ich bin Physiker und entwickle Software im Bereich der Erfassung von Messdaten und deren Verarbeitung. Dies ist meine persönliche Hobbyseite.


Kategorie-Tags

Allgemeines · Friedhofsverwaltung · Ideen-Gedanken · Spielerei · Anleitungen · Bloghandel · Buchbeschreibungen · Christentum · Energiesparlampen · Erfahrungsberichte · Finanzen · Funk-uhren · Geld verdienen · Gesundheit · Handy · Handyortung · Heimwerken · Internet · E-Mail-Spam · Sicherheit-Web · Suchmaschinen · Web-Spam · Webdesign · Physik · Elektrosmog · Elektrotechnik · Stevia-Pflanze · Tageslichtlampen · Umwelt · Veranstaltungsberichte


Suche

RSS / Atom

Andere Seiten