
“Überall gratis fernsehen!“ so wird auf dem abgebildeten Werbeplakat versprochen, dass ich an einer Bushaltestelle entdeckte und photographiert habe. Angeboten wird ein UMTS-Handy, das über eine Internetanbindung verfügt, mit ausreichender Bandbreite für ein Kleinstbildfernsehen.
An diesem Plakat fällt wieder einmal auf, dass es einen Unterschied gibt, zwischen gratis und kostenlos. Das Programm mag gratis zur Verfügung gestellt werden, kostenlos ist es allerdings nicht.
Ein solcher Handyvertrag jedenfalls hat eine irgendwann einsetzenden monatliche Grundgebühr, die für einen festgelegten Zeitraum zu zahlen ist.
Es war das Jahr 2000, damals gab es noch die deutsche Mark und damals gab es eine Versteigerung von UMTS-Lizenzen. Diese Lizenzen haben seinerzeit dem Staat knapp 100 Milliarden Mark eingespielt. Das vereinigte Deutschland hat ca. 82 Millionen Einwohner und damit kann man berechnen, dass die bietenden Firmen mit ca. 1.200 DM pro Person bzw. ca. 600 Euro pro Person eingestiegen sind. Das bedeutet nichts anderes, als das man spekuliert, dass man pro deutschem Einwohner, dazu gehören Babys, Schulkinder, Kranke, Rentner usw. dass man eben pro Einwohner mehr als 600 Euro am UMTS-Geschäft verdienen wird.
Das hat zwei Konsequenzen:
Dem aufmerskamen Leser wird nicht entgehen, dass ich diesen Beitrag unter zwei Kategorien einsortiert habe, unter Web-Spam und unter Elektrosmog.
Beginnen wir mit dem Einspeisen von Rundfunk- und Fernsehprogrammen in das Internet. Dies ist für mich Web-Spam und das ohne dass ich damit Fernsehen und Radio selbst kritisieren möchte. Fernsehen und Radios sind Broadcast-Medien was besagt, dass Sie von einer Stelle aus gesendet werden und auf den anderen Seiten eben nur empfangen werden können. Eine individuelle Komponente wie beim Shopping oder Homebanking oder eine Rückmeldung zum Sender zum Beispiel gibt es nicht, es sei denn man fordert die Zuschauer oder Zuhörer auf, bestimmte Rufnummern zu wählen um etwas zu bestellen oder kostenpflichtig mitzuteilen.
Ein solches Broadcastsystem im Internet zu platzieren ist in meinen Augen nur eine Fehlentwicklung und geschieht wohl nur aus dem Grund, ein Handy oder ähnliches noch verkaufen zu können. Es ist das Zusatzangebot, dass man eben auch fernsehen kann, welches zum Vertragsabschluss führen soll.
UMTS ist dabei allerdings völlig unnötig. Mit dem Handy könnte man rein technisch auch dann fernsehen, wenn man zusätzlich einen ganz normalen Fernsehempfänger in das Gehäuse einbaut. Dann wäre es eben ein “üblicher Rundfunkempfänger” und dann wäre der Empfang sogar wirklich nicht nur gratis, sondern auch kostenlos, denn dann könnte man auch ganz ohne Vertrag mit dem Ding fernsehen.
Natürlich müsste man bei einem normalen Rundfunkempfänger die GEZ-Gebühren zahlen. Und mit der Erfindung des sogenannten “neuartigen Rundfunkgerätes” muss man das für einen UMTS-Fernseher offenbar bisher noch nicht. So zumindest dürfte die derzeitige Ungerechtslage aussehen. Hier kann ich nur von Ungerechtslage sprechen, denn man konsumiert das Fernsehprogramm also ist eine Gebühr zu zehlen (Das ist meine rein persönliche Rechtsauffassung). Hier ist scheinbar eine “Sparmaßnahme” implementierbar, die auf einer Gesetzeslücke beruht, die der Gesetzgeber durch die Neuartigen Rundfunkempfänger eigens für diese Zweck geschaffen hat. Das ganze hat aber einen Pferdefuß. Denn nach dem was passierte mit den “neuartigen Rundfunkempfängern” wird es irgendwann auch “neuartige Fernsehgeräte” geben und dann wird von jedem Internetteilnehmer implizit angenommen, dass er diesen Traffic abgreift.
Das einzige, was bei dem Geschäft also herauskommt, das ist eine Fernsehgebühr für Internetanschlüsse und damit ein “zur Kasse bitten” von allen am Internet angeschlossenen Teilnehmern gemäß, dem was wir ja schon von den Rundfunkgeräten her kennen.
Mit anderen Worten: Die Firma Debitel setzt hier indirekt voraus, dass meine selbständigen Kollegen und ich für deren Kunden die GEZ-Gebühren zu zahlen haben. Das ist ein interessantes Geschäftsmodell. Man verkauft ein Produkt an den Kunden A und der Nichtkunde B bekommt per Gesetz die Rechnung zugeschickt. Deshab ist wohl das Fernsehen auch “gratis”.
An dieser Stelle wird mal wieder ein Link nötig auf die Bürgerwelle. Dieser Verband kämpft gegen den zunehmenden Elektrosmog und nach einem Kurs bei Gigahertz Solutions und mit der Erinnerung an die Gespräche mit den dortigen Kursteilnehmern kann ich die Gefährlichkeit von UMTS-Strahlung keineswegs einfach so “vom Tisch wischen”. Es ist keineswegs so, dass wir alle davon betroffen sind oder sein werden. Aber mit zunehmender Strahlenbelastung dürfte der Personekreis sprunghaft wachsen.
Wir leben in einer Zeit, in der viele aggressive Substanzen gibt bis hin zu Giftstoffen, die auf uns einwirken. Selbst angeblich gesunde Lebensmittel sind nicht mehr das, was vor 50 Jahren noch als gesund eingestuft wurde. Wenn dann alleine eine Handystrahlung nichts ausmacht also nur das Handy von einem Körper nicht als Belastung empfunden wird, dann kann im Zusammenwirken mit anderen Umwelteinflüssen hier eine durchaus spürbare gesundheitliche Beeinträchtigung auftreten.
Die Handystrahlung eines Stand-By-Handys ist übrigens wesentlich kleiner, als eine Handy-Strahlung eines Handys mit dem gerade telefoniert wird oder mit dem sogar ferngesehen wird.
Das gezeigte Bild jedenfalls suggeriert eine Person, die am Strand liegt und per Handy einem Fußballspiel zusieht. Und hier gilt die alte Bauernregel “Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen mühe.
Wenn nämlich 100 Personen am Strand liegen und fernsehen (oder 1.000 liegen am Strand und 100 sehen fern, das ist das gleiche), dann sendet der UMTS-Sender permanent für 100 Verbindungen auf der letzten Meile die Fernsehdaten, die ein einfacher Fernsehsender mit etwa 1/100 der Leistung auch hätte übertragen können. Die Elektrosmogbelastung der Strandbesucher ist also 100 mal so hoch wie nötig.
Wir brauchen hierbei nur zu überlegen. Wir haben ein Signal, dass von allen empfangen werden kann. Kann es nur von einer Person ausgewertet werden, dann müssen 100 verschiedene Signale gesendet werden (individuell eben). Kann das Signal dagegen von allen gleichzeitig empfangen werden (normales Fernsehsignal), dann benötigt man die Information nur ein mal. Diese Überlegung wird natürlich aufgeweicht, weil es mehr als ein Fernsehprogramm gibt. Dennoch: Ich mache aus einer Broadcastsystem ein Individualsystem und das erzeugt einfach eine höhere Informationsdichte und höhere nötige Übertragungskapazitäten.
Wenn schon die jetzigen Handys massiv zu hinterfragen sind und man sie eigentlich nur sehr sparsam einsetzen sollte, dann müsste man UMTS-Fernsehen eigentlich als gesellschaftsgefährdend einstufen. Hoffentlich merken wir es, bevor es zu spät ist.
Übrigens: Einen Laptop per UMTS ans Internet anschließen, das würde ich auch tun. Nur damit das klar ist. Ich bin nicht gegen eine Technik, so man dies einsetzt ein konkretes Problem zu lösen. Aber Fernsehempfang am Strand gab es lange schon vor den Handys. Ein UMTS-Handy dafür zu verwenden stufe ich jedenfalls als verantwortungslos ein.
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— Wolfgang Uhr · Samstag Juli 5, 2008
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