Arbeitslose in Deutschland - das "faule Pack" ...





h3. Die faulen Arbeitslosen – Stufe 1

Es begann in einem Forum in einer geschlossenen Gruppe in Xing. Dabei ging es um Aufrufe an Blogger – also an Leute wie mich – die nun, die Ehre der Deutschen wieder herstellen müssten.

Geschlossene Gruppe meint: Man muss sich bei xing anmelden können, um den Diskussionsfaden lesen zu können.

Worum geht es? Es geht um ganz normales Schneeschaufeln. Es wurde ein Link gepostet der Kieler Bäder und da steht jetzt am 28.1.10 noch geschrieben:

Unser Problem: Wir haben keinen einzigen Anbieter gefunden, der uns beim Räumen und präparieren der Eisfläche helfen kann! Der Winter fordert eben seinen Tribut…Daher also unsere Bitte:
HELFEN SIE MIT BEIM RÄUMEN DER EISFLÄCHE!!!
Wenn wir mit genug Menschen den Schneemassen zu Leibe rücken, schaffen wir das im “Handumdrehen”!! Natürlich gibt es auch für jeden HelferIn ein Dankeschön. Freier Eintritt, ein heißes Getränk, da finden wir Lösungen…

Oder auch mit den Worten der Arbeitsagentur Kiel

Von November zu Dezember ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Agenturbezirk Kiel leicht um 107 oder 0,5 % auf 19.565 Personen gestiegen.

Oder anders: Unter 20.000 Menschen die arbeitslos sind und vielleicht eine ebensogroße Zahl die interessiert wären an einem Nebenjob und einem Dazuverdienst hat man offenbar niemanden gefunden, der in der Lage ist, irgendwo bei Schneeräumarbeiten zu helfen.

Die faulen Arbeitslosen – Stufe 2 – könnte es an der Bezahlung liegen?

Zunächst habe ich in der Diskussion eine Weitergabe eines solchen Aufrufes vehement abgelehnt aus folgenden Gründen

  1. Kieler Bäder AG ist doch nur das outgesourcte Hallenbad und die haben ohnehin den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Leute weniger verdienen.
  2. Zusammenarbeit mit ARGE und Jobvermittlern ließe eher schließen auf einen Arbeitslohn von 1 Euro oder sogar weniger.

Dann – aber wirklich bei mehrmaligem Bohren wurde gesagt:

Die Hilfen bekommen mehr als den Mindestlohn!! Der beträgt 8,02 Euro…

Hier sind zwei Aussagen gemacht:

  1. Der Mindestlohn in Kiel oder bei den Kieler Bädern beträgt € 8,02.
  2. Für das Schneeräumen gibt es aber angeblich mehr.

Das ist m.E. natürlich ein Betrag, der durchaus interessant ist. Also habe ich das Jobangebot im Forum der Erwerbslosen gepostet. Da ich bei der Gelegenheit erst bemerkte, dass die xing-Gruppe geschlossen ist, bat ich den Initiator des Threads doch den Lohn unter den Erwerbslosen noch einmal zu nennen. Das hat er verweigert mit der Begründung man habe genügend Leute zusammen.

Die faulen Arbeitslosen – Stufe 3 – Es war alles ein Mißverständnis

In der weiteren Xing-Diskussion kristallisierte sich zunehmend die Frage heraus, ob ich irgend etwas falsch verstanden haben könnte.

Wie lautet es auf der Webseite?

Wenn wir mit genug Menschen den Schneemassen zu Leibe rücken, schaffen wir das im “Handumdrehen”!! Natürlich gibt es auch für jeden HelferIn ein Dankeschön. Freier Eintritt, ein heißes Getränk, da finden wir Lösungen…

Und der Titel des Xing-Thread lautet:

Kieler Bäder GmbH sucht im Blog nach Hilfe…

Und der Link zu dem Hilfegesuch ist gepostet in der Gruppe “Blogger” und dort unter “Foren > Forum “Aktionen in Deinem Blog”“. Und es haben sich auch zwei Leute gefunden, die diese Nachricht weit gegeben haben.

Also so wirklich mißverstanden habe ich die Nachricht nicht. Andere haben es so verstanden und entsprechend gehandelt. Nur: Die Nachricht

Wir haben keinen einzigen Anbieter gefunden, der uns beim Räumen und präparieren der Eisfläche helfen kann!

hat man dabei einfach zu selbstverständlich zur Kenntniss genommen.

Ich habe angedeutet, dass man mit entsprechenden Geldern auch Arbeitslose finden würde und die Antwort war

das haben wir, selbstverständlich auch gemeinsam mit der Arge und Jobvermittlung, alles versucht und probiert.

Also man hat mit ARGE und Jobvermittlung alles versucht. Irgendwie seltsam. Vor ungefähr 30 Jahren – ich war damals noch in der Lehre, das gab es irgendwo in den Schulen noch schwarze Bretter oder in irgendwelchen Zeitungen Annoncenteile und da hat man sich einfach irgendwo gemeldet, so man interessiert war.

Was ein Jobvermittler machen will bei einer Anfrage nach Schneeräumen, das ist mir unklar. Der ist spezialisiert auf langfristige Vermittlungen und erwirtschaftet seinen Lebensunterhalt genau dann, wenn ein Vermittlungsgutschein eingelöst wird. Der hat im Normalfall noch nicht mal die Infratruktur jemanden einzustellen.

Und hätte der die Infrastuktur und müsste der für einen 10h-Einsatz 30 Hilfskräfte bereit stellen, dann sind das schnell pro Mitarbeiter 1/4h Arbeit (Anmelden, abmelden, Kontrolle usw). Würde der Vermittler nur € 40,-/h für sich selbst nehmen, dann würde er schon mehr verdienen als die Hilfskräfte zusammen, eben für die Zusammenstellung des Teams.

Es kommt hinzu, dass ein Schneeräumteam zusammenstellender Vermittler auch beim 10 fachen Lohn (Er würde dann als Vermittler 10 mal so viel bekommen wie das Team!) in Schleswig Holstein nur langsam verhungern kann. Die absolut logische Konsequenzen dieser Tatsache sind:

  1. Es gibt solche Vermittler nicht. Die haben keinen Markt von dem sie leben können.
  2. Es ist Aufgabe des Kieler-Bäder hier tätig zu werden. Die müssen das organisieren

Mit anderen Worten: Man hat genau das gemacht, was schon seit Jahren in der Jobvermittlung nicht mehr richtig klappt und es ist alles plangemäß schiefgelaufen.

Die faulen Arbeitslosen – Stufe 4 – Darf man nun nicht mehr zur freiwilligen Hilfe aufrufen?

Natürlich darf man – und man sollte sogar – in dieser Gesellschaft zu ehrenamtlichen Tätigkeiten aufrufen. Und an einer Aussage wie:

Wenn wir mit genug Menschen den Schneemassen zu Leibe rücken, schaffen wir das im “Handumdrehen”!! Natürlich gibt es auch für jeden HelferIn ein Dankeschön. Freier Eintritt, ein heißes Getränk, da finden wir Lösungen…

ist m.E. überhaupt nichts auszusetzen.

Das Problem ist ein anderes. Das Problem ist:

Wir haben keinen einzigen Anbieter gefunden, der uns beim Räumen und präparieren der Eisfläche helfen kann!

Hier wäre die korrekte Aussage gewesen: “Auf Grund dieser nicht allzuhäufigen Situation ist es uns unmöglich, für solch eine Aufgabe einen Anbieter finden zu können, der die Schneedecke räumt.”

Oder man hätte besser das ganze Geschwafel gelassen und gesagt. Wir haben kein Geld – auch nicht 1 Euro die Stunde – und können keine Leute einstellen. Bitte helft uns.

Aber diese implizite Aussage der Art: Wir eine Stadt mit über 20.000 Arbeitslosen haben niemanden finden können, der den Schnee fegt, die zeigt für mich jedenfalls schon wie selbstverständlich das Arbeitslosenbashing in unserer Gesellschaft geworden ist. Wir – oder einige von uns – merken es noch nicht einmal. Viele nehmen noch nicht einmal wahr, dass Sie mit ehrenamtlicher Tätigkeit – in dem Fall ein Schneeräumen nach angeblichen Verhandlungen mit ARGE und Vermittlern – im Grunde nur Ihren arbeitslosen Mitbürgern in den Hintern treten, so nach dem Motto: “Jetzt zeigen wir es euch, ich mach es für eine Eintrittskarte und ein warmes Getränk.”

Übrigens: Fans für ein Eisfestival gibt es auch unter den Arbeitslosen. Und hier gäbe es keinen besseren Grund als “dort verdientes” Geld selbiges auch dort wieder ganz oder teilweise auszugeben. Wäre nicht eine andere Lösung denkbar: 10 Cent mehr für die Eintrittskarte und dann eben die bezahlte Aktion von Arbeitslosen ausgeführt und man würde wirklich Menschen helfen, die in der Nähe wohnen und es brauchen? Vielleicht nimmt dann der eine oder andere sogar eine seltene Gelegenheit – ein Eisfestival wahr. Und vielleicht ist unter den wirklich Bedürftigen in unserem Land auch mal eine solche Arbeitsgelegenheit wichtiger als eine Spende für Haiti.

Dabei möche ich klarstellen. Eine Spende Haiti ist keineswegs unwichtig oder unnützt. Doch jegliches Engagement wird in dem Maße bedeutungslos wie wir bei solchen Dingen die Sorgen unserer Mitmenschen im eigenen Land übersehen.

Nach meiner Auffassung übrigens geschehen solche unvorhergesehenen Dinge – Regenfälle, Schneefälle und dergleichen, damit man den anderen den Mitmenschen braucht und damit der eine Chance hat, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

— Wolfgang Uhr · Donnerstag Januar 28, 2010

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Kommentare

  1. Gucky · Jan 29, 14:32 · #

    Also ehrenamtlich… alles gut und schön. Aber wenn ich nix zu essen habe oder nur gerade soviel, daß ich nicht abnippele, dann pfeif ich was auf ehrenamtlich !
    D. h. auch, daß es mir bei Dreckwetter nicht in den Sinn kommen würde, da irgendwo ehrenamtlich (oder für ein besseres Dankeschön) bei Wind und Wetter irgendwo hinfahren würde (kostet auch schonmal MEIN Geld) um da beim Schneeräumen zu helfen !
    (jetzt mal unabhängig von meiner persönlichen Situation die sowas sowieso nicht erlauben würde).

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