Der Kapitalanleger scheint heute zu einem Brotkorn zu werden, der zwischen Analyst und Buchmacher genüsslich zerrieben wird. In dem Zusammenhang möchte ich eine Aktie nennen, die gestern – am 8.10.2008 – mit nie dagewesenen Kapriolen aufwartete. Es war die

Einen nahezu beängstigenden Kurs hat diese Aktie hingelegt. Von einem Startwert unterhalb von € 300,- begann sie am frühen morgen, stieg auf über € 400,- an um dann alles wieder zu verlieren und am Tagesende wieder unterhalb von € 300,- anzugelangen. Was war geschehen?
In Focus wurde es im Video erklärt. Es waren wohl einige Optionspapiere fällig und die Inhaber haben von einigen Banken die Vorlage einer entsprechenden Zahl von Aktien verlangen können. Bei diesen Optionspapieren wird zu einem Zeitpunkt x festgelegt, dass man zum Beispiel berechtigt ist in den nächsten Monaten eine entsprechende Zahl von Aktien vom Optionspapiergeber anzufordern.
Also ich mache einen Vertrag mit jemandem und zahle zum Beispiel € 10,- pro Aktie und kann dann zum Beispiel ein Jahr lang eine Volkswagenaktie zum Preis von € 200,- zum Beispiel kaufen. Ich als Zahler der Optionsgebühr kann den Zeitpunkt bestimmen oder aber auch den Kauf grundsätzlich verfallen lassen. Es gibt noch Varianten, so das man das Recht nur an einem bestimmten Tag hat aber ich denke mal, dass der Ablauf so schon klar ist.
Der Normalfall bei solchen Optionen ist der, dass man sich als Optionsscheingeber rückversichert und solch ein Papier im Depot hält. Also die Bank kauft praktisch zeitgleich mit der Herausgabe der Option eine solche Aktie. In dem Fall ist eine Option eine einfache Wette. Ich wette darauf, dass der Preis über € 200,- steigt, bzw. ich möchte ja Gewinn machen und daher wette ich eigentlich auf einen Kurs von €210,−. Und die Bank hält dagegen. Die Bank kann maximal die € 10,- verdienen, ich allerdings dann je nach Kursgewinn beliebig viel.
Das Risiko der Bank läge bei einer entsprechenden Rückversicherung dann darin, dass sie an eventuellen zusätzlichen Kursgewinnen nicht beteiligt ist. Wenn aber die Bank nun von sich aus kein entsprechendes Rücksicherungsdepot angelegt hat, auf das sie zugreifen kann? Es ist klar, wenn man diese Papiere nicht im Depot hat, dann kann man mit dem gleichen Geld woanders wirtschaften und möglicherweise etwas mehr verdienen als mit einer reinen Aktienkapitalanlage. Nur ist dann das Risiko ungleich größer. Steigen die Kurse und wird die Option eingefordert, dann kostet es eben deutlich mehr, den beim Anfordern der Option muss dann die Kauforder gestellt werden und damit steigt Nachfrage und Preis so lange, bis sich einer von seinen Aktien trennt.
Nun betrachten wir ein weiteres Bild und hier geht es um eine statistische Auswertung, die gemacht wurde an den Analysen unterschiedlicher Analysten.

25 Analysten setzen hier auf “verkaufen, 8 auf “halten” und nur drei auf “kaufen”. Dabei ist die drei falsch. Ein Analyst schreibt vom verkaufen, der Beitrag ist aber mit kaufen markiert. Es steht also eigentlich 26:2. So jedenfalls sind die Daten bei comdirect.
26 Analysten markieren eine Aktie mit verkaufen und dessen ungeachtet legt diese Aktie eine entsprechende Rallye hin. Die Frage, die sich mir aufdrängt ist: Haben mittlerweile verschiedene Optionshändler so viele Optionen verkauft, dass diese von der Menge her mehr sind als die Aktien im Markt?
Der Markt der Optionsscheine ist in den letzten Jahren mehr und mehr angewachsen und mit diesen Papieren die Wettleidenschaft. Nehmen wir an, 20 verschiedene Banken und Geldinstitute weltweit – und das ist eher eine kleine Zahl – haben insgesamt mehr Optionspapiere in den Umlauf gebracht, als es
Die Börse schwächelt, der Kurs gibt überall nach und alles steht bei Volkswagen auf “strong sell” und trotzdem geht die Aktie nach oben. Meine Vermutung ist: Da sitzt jemand mächtig in der Klemme und zwar ein oder mehrere Buchmacher.
Immerhin hat zum Beispiel die Daimler-Aktie zur Zeit ein KGV – Kurs-Gewinn-Verhältnis – von 5 und Volkswagen hat eines bei ca. 25. Für einen Euro Gewinn muss man bei Daimler also 5 Euro zahlen, bei Volkswagen 25.
Die Analysten haben mit einem Verhältnis kaufen:halten:verkaufen bei der Daimler-Aktie mit 35:12:2 absolut Recht. Wer nach wirtschaftlichen Daten bewertet, der muss eigentlich die Daimler-Aktie kaufen. Wer aber auf den Buchmacher achtet, der kauft Volkswagen und wettet auf einen weiteren Engpass bei den entsprechenden Optionen. Er darf sich dann allerdings keinen Schlaf mehr gönnen, denn wenn die Stunde schlägt, muss er bereit sein und seine Aktien in den Markt werfen. Der Spitzenwert von € 410,- lag vielleicht nur ein paar Minuten an. Und wenn die Optionsrallye vorbei ist, dürfte auch der Kurs wieder nach unten korrigiert werden. Unten wäre vielleicht sogar beim KGV von 5 also einem Kurs bei etwa € 60,-.
Wer aber weder auf die Analysten hört noch auf die Buchmacher, sondern auf mich, der lässt am besten die Finger von dem ganzen adrenalingsteuerten Geschäft. Er verdient dann möglicherweise nicht ganz so viel, dafür schläft er dann besser.
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— Wolfgang Uhr · Mittwoch Oktober 8, 2008
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